Veröffentlicht:
29. Januar 2024
Aktualisiert:

Energy as a Service

Energy as a Service (EaaS), auch Energiedienstleistungen, bietet Kund:innen die Möglichkeit statt hohe Summen und Aufwand in ein eigenes System aus dezentralen Energieressourcen zu investieren, Unternehmen zu beauftragen, die sich um die Wartung, Installation und Finanzierung des Energiesystems kümmern. Die Kund:innen zahlen ähnlich wie bei einem Abonnement einen bestimmten Betrag, können aber auch erst bei Nutzung der zur Verfügung gestellten Infrastruktur bezahlen.

Es gibt verschiedene Formen von EaaS. Ein Geschäftsgebäude kann beispielsweise einen EaaS-Anbieter mit der Installation und dem Betrieb einer Solaranlage auf dem Dach beauftragen, die Strom für das Gebäude erzeugt und überschüssigen Strom in das Netz einspeist. Der EaaS-Anbieter kümmert sich um die Finanzierung, Installation und Wartung der Solarpaneele, während der Gebäudeeigentümer eine Gebühr für die von der Anlage erzeugte Energie zahlt.

EaaS kann den Kunden mehrere Vorteile bieten, z. B. geringere Vorlaufkosten, verbesserte Energieeffizienz und Zugang zu den neuesten Technologien. Außerdem kann es den Kunden helfen, ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen und ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern.

Geschichte

EaaS ist kein neues Konzept, jedoch hat es durch den technologischen Fortschritt und die größere Nachfrage nach nachhaltiger Energie in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Der Wunsch der Verbraucher:innen nach digitalen Dienstleistungen aus einer Hand mit einer reduzierten Zahl von Kontaktpunkten zu verschiedenen Anbietern treibt diesen Wandel ebenfalls voran.

Klassischerweise wird Strom wie eine Ware als Einheit an Verbraucher:innen verkauft. In den frühen 2000ern wurden die Energiemärkte allerdings durch steigende Zahlen von dezentralen erneuerbaren Energieressourcen immer komplexer. Die Industrie sah sich daher der Notwendigkeit gegenüber, die Anforderungen an ihre Energieversorgung zu vereinfachen und Potenziale für Kostenoptimierungen auszuschöpfen. Daher begannen Erwägungen der Auslagerung des Energiemanagements an Dritte. Das Konzept der Energie-as-a-Service ging jedoch erst Mitte der 2010er Jahre über gewerbliche Kunden hinaus, als Fortschritte in der Technologie und ein erheblicher Anstieg der Nutzung erneuerbarer Energien EaaS auch für private Verbraucher sinnvoll und attraktiv machten.

Eine der frühesten Formen von EaaS war  Lighting as a Service, das ab den frühen 2010ern auf den Markt kam. Seither hat sich die Idee allerdings auf diverse Energiedienstleistungen ausgeweitet und es werden auch Lösungen im Bereich der Solaranlagen, der Batteriespeicher oder auch des Energiemanagements angeboten. Diese Lösungen haben dazu beigetragen, eine Reihe von Herausforderungen im Energiebereich zu bekämpfen – von der Senkung der CO2-Emissionen bis hin zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Energieversorgung.

Anwendung von Kapazitätstarifen

Lighting as a Service 

Innerhalb dieses Konzepts werden Lösungen zur Beleuchtung für gewerbliche und private Kund:innen seitens eines Dienstleisters zur Verfügung gestellt. Kund:innen bezahlen ähnlich wie bei einem Abonnement einen monatlichen Beitrag für den Service, während Installation und Wartung der Systeme von einem LaaS-Dienstleister übernommen wird.

Solar as a Service

Hierbei werden von Dienstleistern zur Verfügung gestellte Solarpanele auf dem Grundstück der Auftraggeber:innen angebracht. Der Dienstleister ist Eigentümer der PV-Anlage und kümmert sich ebenso um Wartung und Installation. Die Kund:innen profitieren einerseits von der daraus generierten Energie ohne für hohe Anfangskosten aufzukommen, da sie nur für die verbrauchte Energie und die Dienstleistung des Unternehmens bezahlen.

Energy Management as a Service

Innerhalb dieses Konzepts wird mittels einer Energy-Management-Software der Energieverbrauch von Gebäuden oder Einrichtungen gemonitort und optimiert. Durch die Software können effizient Kosten eingespart werden, da der Eigenverbrauch maximiert  oder Lasten auf Zeitfenster mit niedrigeren Preisen geschoben werden können. Verbraucher:innen zahlen lediglich eine, wie in einem Abonnement übliche, Gebühr für die Dienstleistung des Unternehmens.

Heating as a Service / Cooling as a Service

Die Dienstleister installieren und warten verschiedene Heiz- und Kühlungssysteme innerhalb eines Gebäudes oder einer Einrichtung.  Verbraucher:innen entrichten regelmäßig anfallende Gebühren für die Nutzung der Anlagen.

Battery storage as a Service

Bei diesem Konzept werden seitens der Dienstleister Batteriespeichersysteme zur Verfügung gestellt und verwaltet. Die Kund:innen zahlen  regelmäßig einenBetrag für die in der Batterie eingespeicherte Energie, welche zum Beispiel in Zeiten von Nachfragespitzen oder Stromausfällen genutzt werden kann.

Benefits

Niedrigere Investitionskosten

Einer der größten Vorteile der EaaS ist, dass Verbraucher:innen keine großen finanziellen Mittel für die Anschaffung und Installation verschiedener Energiesysteme aufbringen müssen. Stattdessen zahlen sie wiederkehrend eine Gebühr für die Energiedienstleistung, was diese zugänglicher und kostengünstiger gestaltet.

Verbesserte Energieeffizienz 

Unternehmen, die EaaS-Dienstleistungen anbieten, spezialisieren sich häufig auf Lösungen, welche die Energieeffizienz erhöhen. Davon profitieren wiederum die Kund:innen, da sowohl der Energieverbrauch, als auch die Kosten reduziert werden. Gerade für private oder gewerbliche Kund:innen mit einem hohen Energieverbrauch ist das von Vorteil, da so Emissionen verringert und die Energienachfrage gesenkt werden können, was wiederum Überlasten der Netze vorbeugt.

Zugang zu den neusten Technologien

EaaS-Dienstleister sind oft Teil der innovativen Leader der Energiebranche und können ihren Kund:innen Zugang zu den neuesten Energielösungen und -technologien bieten. Durch niedrigere Investitionskosten für neue Lösungen sind sie flexibler und anpassungsfähiger, wodurch sie leichter neue Einnahmequellen erschließen, ihren Wettbewerbsvorteil vergrößern und zukunftssicher bleiben können. Zudem helfen sie ihren Kund:innen, Kosten und CO2-Emissionen zu senken.

Reduzierung von Wartungs- und Betriebskosten

Dadurch, dass EaaS-Dienstleister Installation, Inbetriebnahme und Wartung der Energiesysteme übernehmen, können Kund:innen sich auf ihr Kerngeschäft fokussieren.

Kritikpunkte

Potenziell langfristige Kosten

Während das EaaS-Konzept einerseits die Investitionskosten für Kund:innen verringert, können sich die Kosten für verschiedene Dienstleistungen summieren. Kund:innen sollten daher vorab die Preisgestaltung und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen prüfen, um sicherzustellen, dass Kostenersparnisse auch langfristiger Natur sind.

Begrenzte Kontrolle

Wenn Kund:innen sich dafür entscheiden, das Energiemanagement an Dritte abzugeben, haben sie weniger Kontrolle und freie Verfügung über die Energiesysteme und deren Funktionsweisen.

Abhängigkeit von Dritten

EaaS-Kund:innen können über einen längeren Zeitraum abhängig von Energiedienstleistern sein. Das kann potenziell die Verhandlungsstärke der Kund:innen verringern und den Dienstleistern so die Möglichkeit geben, Preise zu erhöhen.

Entwickelung der Akteure

Energie als Dienstleistung verändert die Rollen der Akteure in der Energiewirtschaft, indem ganzheitliche digitale Lösungen an Bedeutung gewinnen. Partnerschaften und Ökosysteme sind wichtiger denn je, so dass die Komplexität hinter den Kulissen stattfindet und die Endkunden weniger Berührungspunkte mit den Anbietern haben. Auch die Bedeutung der Digitalisierung nimmt zu. Hersteller verkaufen beispielsweise nicht mehr nur isolierte Geräte, sondern auch umfassende Dienstleistungen. Auch Versorgungsunternehmen und Energieversorger bieten zunehmend ganzheitliche Energielösungen an, bei denen der Kunde im Mittelpunkt steht.